18. August | 6. Tag Vormittag
|
 |  | Oranje macht Druck |
|  |  |  | Die Fans machen Stimmung |
|
 |
Die Hollis haben uns im Schnelldurchgang abgefertigt. Es reichte ihnen eine Halbzeit und es stand 4:0. Da hat das eine deutsche Tor auch nichts mehr ausgemacht. Trotzdem war die Stimmung bei uns Fans gut. Die Mädels hatten in den letzten Tagen fleißig Zuschauer akquiriert und so konnten wir einen schönen Block bilden. Allerdings nicht so schön, wie die Holländer. Auch Fannys und Carmens Eltern und Geschwister waren da – fast ein Familientreffen. Gute Nachricht: wir dürfen morgen ins Olympische Dorf, schlechte Nachricht: Deutsches Haus klappt nicht.
|
 |  | Willem Alexander macht den Bohlen |
|  |  |  | René Hiepen macht den Affen |
|
 |
Um 12:30 Uhr gebe ich SWR4 Kurpfalzradio das bereits erwähnte Telefoninterview, was nicht leicht ist im Stadion, da an jeder Ecke anderer Lärm ist. Gesendet wird das Interview am Donnerstag morgen, weshalb ich immer sagen muss: „heute gehen wir ins Olympische Dorf“.
Heute Nacht bin ich um vier Uhr aufgewacht, weil auf der Straße Lärm war. Vom Balkon aus konnte ich sehen, dass Gemüsekisten ausgeladen wurden. Heute Morgen war auf der Straße der schönste Markt aufgebaut. Aber meine Nacht war auch wieder am Arsch.
Dementsprechend verwirrt mache ich mich um 13 Uhr vom Hockeystadion auf den Heimweg um ein Nickerchen zu machen, treffe aber im Bus einen Holländer, der mir erzählt, dass Holland schon sehr aufgeregt ist, weil man noch keine Goldmedaille und überhaupt wenig Medaillen gewonnen hat. Naja, wenig Medaillen gewinnen können wir auch. Da fühle ich mich ihm gleich verbunden und überhaupt sind die Holländer gar nicht so übel und einen Prinzen haben sie auch. darauf kann man aufbauen.
|
Der Holländer heißt Bert und wundert sich, als ich ihm erzähle, dass wir nicht ins Deutsche Haus reinkommen. In das holländische Haus komme man jederzeit rein, selbst als Deutscher. Und da er sowieso grad hinwill und ich auch schlafen kann, wenn ich tot bin, gehe ich gleich mit. Mit Deutschlandtrikot, Hut und meiner scharzrotgelben Fahne umgehängt.
Das wundert die Holländer aber nicht und so darf ich rein. Gleich große Stimmung, aber nicht wegen mir. Man freut sich dass Frau Zejlaard-van Moorsel das Radzeitfahren gewinnt und die Hollis ihre erste Goldmedaille haben. Frau Zejlaard -van Moorsel weint auch sehr und dankt ihrer Mutter, was den holländischen Kommentator zu dem mehrmalige Ausruf „Wat een Spoortsfrau“ (oder so) hinreißen lässt.
|
Ich kaufe mir ein Heineken, von dem 0,25 drei Euro kosten. Im Stadion kostet 0,5 vom gleichen Bier nur 2 Euro. Eine schöne Geste: die Besucher des Hollandhauses subventionieren die Getränkepreise im Stadion.
Aber da mich die Holländer so freundlich aufgenommen haben, beschließe, vorläufig mal Hollandfan zu sein, zumindest solange, bis wir ins Deutsche Haus dürfen.
|